
Der Kanton Freiburg istein zweisprachiges Gebiet, aber die sprachliche Vielfalt beschränkt sich nichtnur auf die beiden Amtssprachen Französisch und Deutsch. Zwischen Tälern undHügeln beleben lokale Dialekte ein einzigartiges kulturelles Gebiet.
Nachdem der FreiburgerDialekt im 20. Jahrhundert fast verschwunden war, erlebt er heute einWiederaufleben. Die Freiburger Patoisants, ein Verein zur Förderung desFreiburger Patois, organisieren unter anderem Treffen, Kurse, Kartenspiele,Theateraufführungen, Konzerte usw. In einigen Schulen können junge Menschen inWahlfächern diese Sprache erlernen und ihr farbenfrohes Vokabular entdecken,das manchmal schwer ins Französische zu übersetzen ist.
Auch wenn die meistenEinwohner den Dialekt im Alltag nicht mehr verwenden, finden sich zahlreicheWörter und Ausdrücke in Gesprächen und Ortsnamen wieder. Einige Ortsnamen sindein direktes Erbe dieses Dialekts: Weiler, Bäche und Hügel tragen noch immerNamen, die man im Patois besser versteht als im Französischen, wiebeispielsweise Pierrafortscha, was „gegabelter Stein” bedeutet und sich aufeinen für das Dorf charakteristischen Felsblock bezieht.
Der Dialekt ist eng mitder Welt der Landwirtschaft und der Bergwelt verbunden. Er dient dazu,Werkzeuge, Praktiken und Landschaften zu benennen: trintsâbyo (Alpkäserei),armailli (Hirte) oder auch bredzon und dzaquillon, traditionelle Kleidung, diebei Volksfesten getragen wird. Grosse Feste wie die Bénichon, der Almauftrieb(poya) und der Almabtrieb (rindyà) sind Gelegenheiten, bei denen sich derDialekt mit Gesängen, Ritualen und traditionellem Wissen vermischt. Die Wortehallen in den Dörfern wider und erinnern an die tiefe Verbindung zwischenSprache und Heimat.
Selbst in der StadtFreiburg schleicht sich der Dialekt manchmal in die Gespräche ein und vermischtsich mit Französisch oder Deutsch zu gemischten Varianten wie dem Bolze.
Der Dialekt ist alsonicht nur eine Sprache, sondern ein echtes kulturelles Erbe, ein lebendigerZeuge der Verbindungen zwischen den Einwohnern, ihrer Landschaft und ihrenTraditionen. Ihn zu hören, zu sprechen oder zu singen bedeutet, die Seele derRegion und ihre Geschichte zu berühren.
Quellen:
- Vereinigung des Schlosses Arconciel
- Max de Diesbach, La seigneurie d’Arconciel-Illens (Annales fribourgeoises, 1913).
- Frédéric-Théodore Dubois, Les armoiries d’Arconciel (Annales fribourgeoises, 1913).
